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Es ist was faul in der Mark. Daran können auch die
zahlreichen Dementi aus der markgräflichen Residenz nichts ändern. Ja gerade
das vehemente Beharren der Sprecher der Greifin lässt die Ereignisse der
letzten Zeit in einem irritierenden Licht erscheinen. Doch fangen wir am besten
ganz am Anfang an.
Nachdem die Helden des Finsterkammes von den Siegen im Nôrrnstieg und vor Nordhag, sowie der erfolgreichen Rückeroberung des
Rhodenstein zurückkehrten, brach ein heftiger Streit zwischen verschiedenen
Fraktionen des Adels aus. Wollte die eine Gruppe die gefallenen Recken auf dem
Ehrenfeld unterhalb des Nebelsteins in der Obhut der Golgariten wissen, so
leisteten andere märkische Familien erbitterten Widerstand und beharrten
darauf, die Gefallenen in ihrer je heimatlicher Erde zu bestatten. Demgegenüber
sprach sich eine dritte Gruppe dafür aus, die Toten an Peraines Nadel zu
betten, wo sie schließlich den Tod gefunden hatten.
Besonders prekär erwies sich hierbei das Verhalten des
Barons von Orkenwall, der ohne ein Wort zu verlieren die sterblichen Überreste
seines Sohnes, die ihm der heldenmütige Gemahl der Greifin, Edelbrecht von
Eberstamm, vor den Hieben der Orken gerettet hatte, gen Orkenwall überführte
und in der Familiengruft beisetzte.
Als er dann noch das dargebotene Amt als neuer Meister der
Mark ausschlug, war endgültig bei so manchem Edlen das Maß voll. Überall in
der Residenz brodelten die Gefühle und so mancher Edle, der dem Orkenwaller
nach wie vor die Treue hielt, sah sich mit direkten Anfeindungen konfrontiert.
Was fiele dem Manne ein, den man doch in den letzten Jahren immer unterstützt
habe, sich nun aus der Verantwortung zu schleichen und die Lehnspflicht auf so
schamlose Weise zu verletzen.
Es bedurfte nachgerade eines Machtwortes der Greifin, den
Reden und Anfeindungen ein Ende zu setzen. Der Bezichtigte selber hatte sich
indessen auf das heimatliche Gut zurückgezogen und weigert sich beharrlich, zu
den Vorwürfen Stellung zu beziehen.
***
Doch damit nicht genug, ein weiterer Streit erhitzt die
Gemüter, vom neuen Meister der Mark, dem Baron von Nebelstein, misstrauisch
beäugt. Es geht um die Verwendung der Gelder, die dem Schutz der Mark wider die
Orken zugedacht sind.
Fast scheint es, als habe sich quer durch unser liebliches
Land eine Front gebildet. Die einen Edlen wollen, dass die Gelder direkt an der
Frontlinie eingesetzt werden, die anderen sähen es lieber, wenn die
heimatlichen Burgen befestigt und gegen einen neuerlichen Durchmarsch der Orken
geschützt würden. Und wieder andere planen, unser Land in ein neuerliches
Chaos zu stürzen, wagen sie es doch, ein Söldnerheer einzufordern, welches
unsere Lande befrieden soll. Ja denkt ein märkischer Mundschenk überhaupt an
die Folgen? Merten Ugdalf von Bugenhog-Krähenklamm scheint ganz vergessen zu
haben, dass es noch Söldlinge gibt, die mit der kaiserlichen Armee gen
Greifenfurt kamen und immer noch in unseren Wäldern hausen. Aber wahrscheinlich
hat der Mundschenk der Greifin noch nie vom blutigen Habicht gehört, geht seine
erste Praiospflicht doch dahin, der Greifin Ohr mit Einschmeichelungen und
Süßholz zu umgarnen, während ihr geliebter Gatte für die Mark streitet.
***
Doch scheint auch die Greifin dieser Tage ungewohnt fahrig
und geschwächt. Obwohl allüberall die Geburt des Erben der Mark, Ulfried
Halmdahl von Wertlingen, begossen und besungen wird, mischen sich Gerüchte in
die Loblieder der Barden.
So will eine Küchenmagd vor längerer Zeit, als die Greifin
so schwer krank daniederlag, mitangehört haben, wie sie zu sich selbst sprach.
Sie habe in kindlichem Ton gefleht und gebettelt und sich selbst Mut
zugesprochen, so die Frau.
Megana Imar Dunya,
die Heilerin der Markgräfin, dementierte dieses Gerücht seinerzeit auf das
Schärfste und begründete die Vorfälle mit einem schlimmen Delirium, in dem
sich die Markgräfin zu dieser Zeit befunden habe und das viele werdende Mütter
aus den letzten Tagen ihrer Schwangerschaft kennten. Trotzdem sei die Heilerin
nun schon seit längerer Zeit auf das Höchste besorgt, berichten zuverlässige
Stimmen aus der Residenz.
Hinzu kommt ein Gerücht, welches unbestätigt blieb, sich
aber hartnäckig bei Hofe hält. Demnach sei die Geburt des Erben über alle
Maßen schwer verlaufen. Es habe den Anschein gehabt, als kralle sich der
Säugling mit aller Macht im Mutterleibe fest und die Heilerin habe mehrmals
kurz davor gestanden, entscheiden zu müssen, ob sie das Leben der Mutter oder
des Kindes rette.
Unbestätigten Stimmen zufolge habe sich die Markgräfin bei
der Geburt schwerste Verletzungen der Gebärmutter zugezogen und nur den
heilenden Händen des anwesenden Geweihten des Göttervaters sei es zu
verdanken, dass die Greifin nicht im Wochenbett gestorben sei. Ob sie jemals
wieder ein Kind bekommen könne, sei den Göttern anheim gestellt.
Dass der Knabe gerade die Nacht des letzten der namenlosen
Tage gewählt habe, seine Mutter in die Wehen zu zwingen, spricht seine eigene
Sprache und doch versicherte die Praioskirche, das Kind selber habe erst im
Morgengrauen des ersten Praios den Schoß der Mutter verlassen.
In der Residenz indes schweigt man sich aus oder streitet
sich ob der Vergabe der Gelder und der Neubelehnungen.
Es bleibt zu hoffen, dass an den Gerüchten kein
sprichwörtliches Fünkchen Wahrheit ist,
eine äußerst beunruhigte Brunichildis.
[vw]
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Stand: 1. April
2004
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