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Greifenfurt
Stadtherrrin:
Markgräfin
Irmenella von Greifenfurt
Einwohner:
ca. 3600 (davon etwa 800 Neu-Greifenfurter)
Garnisonen:
1 Schwadron Ksl. Greifenfurter Grenzreiter, 1 Banner Mgfl. Greifenfurter
Langschwerter, 3 Kompanien Stadtmiliz, ein Dutzend Stadtgardisten
Tempel:
PRA, RON, PER, TSA, Tsaschrein, Ingerimmschrein
Wappen:
Goldener Greif auf blauen Grund
Gasthöfe
(Auswahl):
Grafenhaupt (Q6/P5/S22), Stiefel (Q4/P5/S12), Zum durstigen Pferd (Q5/P6/S24),
Greif (Q6/P6/S8), Schandkragen (Q2/P3), Orkschädel (Q3/P4)
zum
Stadtplan
Während
der Osten des reiches in Flammen stand, bedeutete das Jahr 28 in Greifenfurt die
Rückkehr zum Frieden. Zu Beginn des Praiosmondes pflanzte Prinzessin Irmenella
gemeinsam mit Nialla ni Telwyn, der Hochgeweihten der Peraine, den ersten Baum
im neu angelegten Apfelhain; kurz zuvor, Ende Rahja, fanden unter der
Schirmherrschaft des Kaufherrn Bredan die ersten Hunderennen seit zehn Jahren
statt. Auf der Reichsstrasse rollen wieder schwer beladene Handelswagen, und die
Kelterei Gombet konnte für das vergangene Geschäftsjahr den höchsten Gewinn
seit Geschäftsgründung einstreichen. Nie zuvor war Greifenfurter Goldsirup,
ein süssliches Rübenmus, so beliebt wie in diesen bitteren Zeiten
Noch
immer sind der einst stolzen Stadt an der Breite die Narben des Orkkrieges
anzusehen: Selbst da, wo fleissige Hände sich darangemacht haben, die
niedergebrannten Häuser aufzubauen, finden sich noch Spuren der Greuel, die die
Schwarzpelze in die Stadt getragen haben, zeugen düstere Ruinen und
brachliegendes Land von Mord und Brand. Nirgends sonst im Reich hat in der jüngeren
Geschichte der Ork so gewütet wie in der Hauptstadt der Markgrafschaft – nur
gut ein Sechstel aller Einwohner hat das Grauen überlebt.
Doch
so schwer der Zug der Orks die Menschen auch getroffen hat, so viele Tote und
Verschleppte zu beklagen waren, scheint doch der Mut der Greifenfurter
ungebrochen, kündet das stete Geräusch von Hämmern und Sägen davon, dass ein
tsagefälliger Geist des Neubeginns die Stadt erfasst hat.
In
einem gewaltigen Kraftakt hat man sich gleich nach der Befreiung der Stadt an
die schwere Aufgabe gemacht, die Befestigungswerke wieder aufzubauen: Unter der
strengen Hand der Kanzlerin half jede Hand dabei, Greifenfurt zunächst
provisorisch zu umfrieden und die Stadt wieder zu einer sicheren Zuflucht zu
machen. Zwangsläufig gerieten so die Arbeiten an den Behausungen der Menschen
ins Hintertreffen, und die beiden ersten Nachkriegswinter in den behelfsmässigen
Quartieren waren bitter. Mittlerweile arbeitet man bereits an der endgültigen
Bastion, die mit mächtigen Rundtürmen und dicken Mauern die alten Anlagen noch
übertreffen soll, auch wenn vielerorts noch Baugerüste und provisorische
Palisaden zu sehen sind. Fast ein wenig verloren wirken die neuerbauten Wohnhäuser
angesichts der gewaltigen Mauern, doch hoffen die Markgräfin und die Städter
wohl nicht vergebens darauf, dass sich schon in einem Jahrzehnt die Häuser
wieder an die Stadtmauer schmiegen werden. Drei Doppelturmtore (Andergaster-,
Reichsbehüter-Brin- und Greifentor) bieten von Sonnenauf- bis –Untergang
Einlass.
Der
sich langsam wieder einstellende Wohlstand, dazu das Gerücht, dass es sich hier
angesichts der geringen Präsenz von Bütteln und Gardisten frei leben lasse,
hat neben den Kriegsvertriebenen aus Tobrien, Warunk und Beilunk allerlei
Gesindel in die Stadt (und vor allem ins Hafenviertel) gelockt: Bettler, Glücksritter,
Gauner und was sonst noch die Landstrasse sein Zuhause nennt. So kommt es, dass
mit dem wachsenden Handel und Wandel auch manch unehrliches Handwerk wieder
aufblüht, auch wenn man sich seitens des Magistrats müht, der Haderlumpen Herr
zu werden: unehrliche Bettler werden aus der Stadt verwiesen, Schurken mit
schweren Strafenabgeschreckt. Doch schlussendlich sind es die Bannstrahler, die
Recht und Gesetz in der Stadt aufrechterhalten – und sobald sich dies
herumspricht, hofft man, dass ein ende der Schurkereien in Sicht ist.
Praiosberg
Das
einstige Zentrum der Stadt erstrahlt bereits wieder in alter Pracht. Hier wurde
mit Unterstützung der Praioskirche am Platz der Sonne der Tempel
unseres Herrn Praios und seines getreuen Dieners Scraan wieder aufgebaut und
vor zwei Jahren in einem feierlichen Praiosdienst vom Hochgeweihten Anselm
Horninger eingesegnet und das Geschenk aus der Stadt des Lichts, eine
Nachbildung der Statue des Greifen Scraan, die das Herz des neuen Tempels
bildet, geweiht.
Der
Einfluss des Götterfürsten ist unverkennbar in der Stadt, die schon zweimal
seines Wunders ansichtig werden durfte, allein schon an der Zahl der
Bannstrahlritter, Mönche des Ordens des Heiligen Hüters, Praiosgeweihten wie
auch Laiendiener, die die Strassen durchmessen. Die Praioskirche repräsentiert
jedoch nicht nur, sondern müht sich auch, den Bedrängten beizustehen, sorgt für
den Schutz der Mauern ebenso wie für die Speisung der armen, in friedvoller
Eintracht mit den Anstrengungen der Schwesternschaften der Travia und der
Peraine.
Im
Schatten des Praiostempels haben sich in festen, hohen Häusern aus Stein und
Fachwerk wieder die Wohlhabenden und einflussreichen der Stadt angesiedelt: Händler,
Inhaber der Tuchmachereien sowie Edle des Landes. Viele, die vor dem Krieg
geflohen waren, sind in den letzten Jahren zurückgekehrt, ihre Geschäfte
wieder aufzunehmen.
Auch
die Markgräfin hat ihre neue Residenz
auf dem Praiosberg bezogen und die Festung auf einer Insel in der Breite dem
Marschall von Greifenfurt zu treuen Händen übergeben. Ihr neues Palas auf dem
Praiosberg ist noch nicht fertig gestellt, und es wird wohl noch Jahre dauern,
bis Irmenella von Greifenfurt und Ihr Gemahl Edelbrecht von Eberstamm hier
angemessen Hof halten können. Wie ein Mahnmal der erlittenen Schrecken hingegen
muten die Ruinen des Rahjatempels an, die geschwärzt emporragen. Bislang
jedoch gibt es keine Bestrebungen der Rahjakirche, Geweihte nach Greifenfurt zu
entsenden, wohl auch, weil die Praiosdiener sich entschieden dagegen verwehren,
einen Tempel der Göttin noch einmal in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft zu
dulden.
Neustadt
Rund
um den Praiosberg siedeln die wohlhabenderen Handwerker der Stadt:
Silberschmiede, kleinere Kaufleute, Pergamenter, Obstwinzer, aber auch
wohlhabendere Flussschiffer und Fuhrleute wohnen in schmucken, zwei- bis dreistöckigen
Fachwerkhäusern. Enge Gänge führen in Hinterhöfe, die für Kleinviehställe
oder als Gemüsegarten genutzt werden, wenn dort nicht die Werkstätten
errichtet worden sind.
Handwerker,
die sich neu in der Stadt niederlassen, sind auf zwei Jahre abgabenfrei, auf
dass es ihnen leichter falle, ein Geschäft zu eröffnen. Das lockt nicht allein
die Geflohenen zurück, sondern auch manchen Fremden, der sich hier ein neues Glück
verspricht. Jenen, die die Stadt bei Ausbruch des Krieges verliessen, wird ihr
angestammtes Land jedoch von denen, die ausgeharrt haben, streitig gemacht, was
zu einer nicht unbeträchtlichen Zahl von Rechtshändeln innerhalb und zwischen
den Zünften führt. Im Haus der Rüstungsschmieden und Ratsfrau Praiadne
Bornhagen hat ein Ingerimmschrein
seine Heimat gefunden, bis die stetig wachsende Handwerkergemeinde in der Lage
ist, einen neuen Tempel zu errichten.
In
der Neustadt ist auch der Neumarkt zu finden, wo allwöchentlich am Windstag Händler
aus der Markgrafschaft, aber auch aus Weiden, Garetien oder Kosch ihre Stände
aufbauen. Die Bürgerschaft plant, schon im nächsten Jahr im Rahja eine alljährliche
Warenschau auszurufen, um auch Händler aus den ferneren Gegenden nach
Greifenfurt zu locken.
Am
Neumarkt steht das Gebäude des Magistrats, wo die Honorationen über die Geschicke der
Stadt beraten und ihre Beschlüsse der Markgräfin zur Zeichnung vorlegen.
Irmenella ist klug genug, den Rat ihrer Kanzlerin zu befolgen und dem Wort der
Stadträte Gewicht zuzumessen.
Unweit
der Kasernen der Stadtmiliz hat man
einige der grossen Kornspeicher wiederaufgebaut, in der Hoffnung, sie schon bald wieder
für schlechte Zeiten füllen zu können, doch scheint dies angesichts der
tobrischen Flüchtlinge eher unwahrscheinlich, und schon ein zu feuchter Sommer
kann das ganze Land in eine neuerliche Hungersnot stürzen.
Das
auffälligste Bauwerk in der Neustadt ist der Ordensturm
der Bannstrahler, den alteingesessenen Greifenfurtern besser als das im
ganzen Nordwesten bekannte Bordell Fuchshöhle
geläufig. Drei Jahre nach der Befreiung der Stadt wurde der Besitzer, der
Illusionist Lancorian, gezwungen, den Turm an die Praioskirche zu verkaufen, die
das Gebäude den Bannstrahlern übereignete. Diese versetzten das verrufene Gemäuer
und einige Nachbargebäude in einen wehrhaften Zustand, so dass heute in dieser
„Ordensburg“ stets etwa 20 Ritter in Weiss und Gold zu finden sind.
Perainehof
Hier,
wo sich Obstbauern, Mostmacher und Kleinbauern angesiedelt haben, die ihre
Felder und Gärten vor der Stadt bewirtschaften, ist die Präsenz der Göttin
der Fruchtbarkeit allgegenwärtig. In den Höfen wachsen Obstbäume und –Sträucher,
werden Gemüse und Kräuter angebaut. Auf dem Rübenmarkt
werden zweimal wöchentlich Feldfrüchte und Kleinvieh, Milch, Eier und Geflügel
angeboten. (Grossvieh wird nur zweimal jährlich, im Peraine und im Travia, auf
dem Viehmarkt vor den Toren der Stadt
feilgeboten.) Düster dagegen wirkt der Perainehain,
jener fluchbeladene Ort, wo einst durch das Wirken eines Dämons die Duglumspest
in die Stadt getragen wurde. Noch heute, so heisst es, gehen die Geister jener
Verstorbenen dort um, bar jeder Hoffnung auf Erlösung für ihre Seelen. Zwar
wird dies von den Kirchen einmütig bestritten, doch hat die Perainekirche den
neuen Tempel inmitten des entweihten Haines errichten lassen. Mit dem Segen der
Göttin, so hofft man, werden schon bald wieder neue Apfelbaumschösslinge aus
der gemarterten Erde spriessen. Ausser den Dienern Peraines haben sich hier auch
die Rondrianer niedergelassen, die die geschändete Rondraburg, Teil der Stadtbefestigung, als Wehranlage wie als Tempel
wiederaufbauten und zudem die städtische Miliz ausbilden.
Bauerngrund
Einst
das bevorzugte Viertel der Kleinbauern, haben sich in jüngster Zeit vornehmlich
diejenigen hier angesiedelt, deren Gewerbe mit dem Hafen zu tun hat: Matrosen,
Seiler, Flösser, Fischhändler, aber auch Zimmerleute und Steinmetze, Verputzer
und Maurer, während am Rande des Viertels jene ihre Heimat gefunden haben,
deren Handwerk die Nähe des Wassers erfordert: Färber, Gerber und Filzer. Gern
hat man diese Gewerbe nicht in seiner Nachbarschaft, sind sie doch mit Dreck und
Gestank verbunden, aber gerade ihre Waren sind auch ausserhalb Greifenfurts
gerngesehenes Handelsgut.
Schifferstadt
Hier,
im Viertel der Schiffseigner, Kapitäne und Fuhrleute, herrscht relativer
Wohlstand, auch wenn die Gassen nicht so ruhig und sauber sind wie in der
Neustadt. Einst waren hier die meisten Schänken zu finden, wo man dem kräftigen
Bier und dem Obstwein zusprach, und ganz langsam eröffnen auch wieder neue Häuser,
auch wenn die Wirte des Grafenhauptes,
des Greifen, des Stiefels und
wie sie heissen mögen, die selbst während des Krieges ihren Ausschank so lange
wie möglich aufrecht erhielten, die Zeiten paradiesisch fanden, als die geringe
Konkurrenz die Taler auf ihren Theken nur so tanzen liessen. Überhaupt sei
nicht verschwiegen, dass es neben zahllosen Opfern auch Kriegsgewinnler gibt.
Dem Wirt des Stiefels, Wulf Bredan, scheint der Orkensturm nicht eben zum
Schaden gereicht zu haben. In seiner neu ausgebauten Schänke florieren das Glücksspiel
und der „verdeckte Handel“. Bredan selbst ist Teilhaber an fast allen Gaststätten
der Stadt, steht den ihm über Schutzgelder Anempfohlenen gegen vandalierende
Fuhrleute zur Seite und tritt auch sonst gerne als Wohltäter auf. Ausserdem
profitiert er vom Wiederverkauf von Stadtgrundstücken, die er zu Kriegszeiten
weit unter Wert erworben hatte. Auch der wohlsituierte Händler Perval Svellter
verstand die Belagerung Greifenfurts zu nutzen, indem er Flüchtlinge aus der
Stadt schleusen liess. Heute lebt er von den Grundstücken, die ihm die
Fluchtwilligen zum Pfand überliessen und die sie nun, ob der drückend hohen
Zinsen, nicht mehr einlösen können. Ob er in manchen Fällen selbst dabei
nachgeholfen hat, dass ein Erbe auf den beliehenen Hof nicht mehr zurückkehren
konnte, ist nicht erwiesen – über die grosszügigen Kredite, die er selbst höchsten
Greifenfurter Kreisen gewähren soll, wahrt er jedenfalls strengste Diskretion.
Ebenfalls in der Schifferstadt ist das Haus Wintertraum,
das neue Etablissement des Magiers Lancorian, der hier nicht nur rahjagefällige
Trugbilder webt, sondern auch seine private Fehde gegen die Bannstrahler weiterführt.
(Die anderen neueröffneten Gasthäuser dagegen haben sich, wie es gute Sitte
ist, nahe den Stadttoren und davor angesiedelt.)
Tuchweberviertel,
Hafen und Nordhafen
Während
man in den wohlhabenderen Vierteln beinahe vergessen könnte, dass vor gar nicht
allzu langer Zeit die Stadt noch in der Hand der Schwarzpelze war, tragen die
Bezirke der Ärmsten bis heute die tiefen Narben des Orkensturms. Längst nicht
alle Häuser, in denen sich Menschen angesiedelt haben, sind wiederhergestellt
worden, oft belässt man es dabei, einen Teil einer Ruine soweit wieder
herzurichten, dass man leidlich dort leben kann. Hier haben sich zwar auch
wieder kleine Handwerksbetriebe angesiedelt, doch die Mehrzahl der Bewohner –
Versehrte und Vertriebene der Orkkriege und der Eroberungen des Dämonenmeisters
– lebt von der Bettelei und nächtigt unter Planen oder in feuchten Kellern.
Im
Tuchweberviertel leben die Leinenweber und Tuchmacher, die Schuster und
einfachen Schneider, deren Handwerk ihnen und ihren Familien zwar ein auskommen,
aber keinen Reichtum einbringen mag. Eine Besonderheit sind die Flickschneider,
die sich hier wie nirgendwo sonst darauf verstehen, alte Kleidung gekonnt
aufzuarbeiten.
Zwischen
Perainehain und Webergasse hat das Therbûnitenspital
seine Heimat gefunden, um den Bedürftigsten der Stadt nahe zu sein. In seinem
Schatten wurde ein kleiner Traviatempel
errichtet, wo auch eine Armenküche unterhalten wird. Beide Institutionen kümmern
sich auch um die neu zugezogenen Flüchtlinge und sind, dank der Brüderlichkeit
der Greifenfurter auch in der Lage zu helfen. In direkter Nähe ragt die
russgeschwärzte Ruine des Henkerturms in den Himmel, von dem man erzählt, dass
hier ein Wiedergänger oder Vampir gehaust haben soll. Andere wiederum
behaupten, es sei lediglich das Heim eines Scharfrichters gewesen, den sein
blutiges Handwerk mit der Zeit in den Wahnsinn getrieben habe. Einig sind sich
jedoch alle, dass dies kein Platz ist, an dem man die Nacht verbringt.
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