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Von
Burgen und Dörfern, Wohnhäusern und Höfen
Trutzig
ragen die festen Türme und Mauern der Adelsburgen empor, thronen stolz auf den
Hügeln, künden vom Widerstandswillen derer, die dort leben. Kein Baron in
Greifenfurt, der nicht eine Burg sein eigen nennt, Zeichen der Adelsherrschaft,
vornehmlich aber Schutzwall in Zeiten der Bedrängnis.
Wenig
wohnlich sind diese Festen, dafür um so wehrhafter. Diese Burgen bieten in
Zeiten der Not all jenen Schutz, die bar jeden festen Unterschlupfes sind, und während
der Orkkriege weilten mancherorts mehrere hundert Menschen über Wochen in den
Mauern, die sonst kaum mehr als einen Haushalt von 20 - 30 Leuten beherbergen.
Zu
allgegenwärtig ist die Gefahr durch Orken und anderes Gezücht, als daß man es
sich erlauben könnte, sich etwas mehr Bequemlichkeit zu verschaffen, indem man
große Fenster in die Mauern bricht oder die Wehranlagen mit Ziertürmchen
versieht. Auch wenn man bisweilen neidvoll auf die Schlößchen der edlen
Verwandtschaft in anderen Teilen des Reiches blickt.
So
zieht es mancher Edle denn auch vor, friedlichere Zeiten auf seinem
herrschaftlichen Gutshof zu verbringen, wo er weniger zugig, unbequem und
finster ist, und die Verwaltung der Burg einem Vogt zu überlassen.
Nur
wenige nennenswerte Weiler gibt es im Greifenfurtschen, in mancher Baronie leben
im größten Dorf gerade 300 Seelen. Zumeist aber findet man sich in kleinen
Weilern zusammen, wo vier oder fünf Familien beieinander leben. Befestigt sind
die wenigsten dieser Siedlungen: Palisaden und Gräben instand zu halten ist
teuer und zeitaufwendig; Zeit, die man zum Bestellen der Felder braucht. Doch
findet sich überall dort, wo weder die Burg des Herren, noch ein natürlicher
Unterschlupf nahe sind, Wehrtempel, eine Besonderheit im Greifener Land, die man
sonst allein noch in manchen Gegenden Weidens findet.
Statt
eines kuppelgeschmückten Baus findet man in der Mitte eines Dorfes oder in der
Nähe mehrerer Anwesen auf exponiertem Hügel einen trutzigen Tempelbau - daß
es einem anmutet, es mit einem Haus der Rondra zu tun zu haben. Doch handelt es
sich in der Regel um Perainetempel oder solche, die zugleich mehreren der Zwölfe
gewidmet sind, mauerbewehrt und
turmbestückt, groß genug, der Bevölkerung des Umlandes in Zeiten der Not
Schutz zu bieten. Eine Handvoll Bewehrter kann einen solchen Bau gegen den
Ansturm der Feinde halten. Dort hält man auch Glocken oder große Hörner
bereit, in Zeiten der Gefahr alle zu warnen.
Stein
und Holz beherrschen die Bauweise der Häuser und Höfe: Fachwerk vornehmlich,
aus kräftigen Eichenbalken, Weidflechtwerk und festgefügtem Lehm, aber auch
niedrige Bruchsteinhäuser, die sich eng an einen Hang ducken, den Herbst- und
Winterstürmen trotzend. Vor allem die Bauernhäuser der weniger Wohlhabenden
sind auf diese Art und Weise gefertigt, mit einem Dach, das sich fast bis auf
den Boden zieht. Das Dach besteht aus gebündeltem Schilfrohr oder hölzernen
Schindeln, in letzterem Falle zusätzlich mit Erde bedeckt, damit das Haus
besser dem rauhen Klima zu trotzen vermag. Solche Behausungen wirken bisweilen
wie Erdhöhlen, wenn sich das Häuschen eng
an die Flanke eines Hügels schmiegt, das erdbedeckte Dach von Gras und
Gesträuch überwuchert.
Oft
bietet so ein Haus allen Bewohnern zugleich Schutz, gleich ob Mensch oder Tier.
Ein Teil ist als Stube für die Menschen abgetrennt, das ganze Leben einer
Familie findet ausschließlich in diesem einen Raum statt. Da heißt es nicht
zimperlich zu sein. Einzig niedrige Wände aus Flechtwerk sorgen für ein wenig
private Sphäre. Im restlichen Teil des Hauses ist das Vieh untergebracht.
lediglich durch eine Holzwand von der Stube getrennt. Zwar mag ein an besseres
gewohnter Reisende ob solcher Behausung die Nase rümpfen, doch wissen die
Einheimischen die Wärme der Tiere zu schätzen, auch weiß man seinen
wertvollsten Besitz, das Vieh, gerne in sicherer Obhut.
Größere
Höfe hingegen, wie die Gutshöfe der Adeligen oder der wohlhabenderen
Freibauern, unterscheiden sich nur wenig von solchen, wie man sie aus Garetien
kennt: Mehrflügelige Anwesen in Fachwerkbau bzw. aus festgefügtem, verputztem
Stein, umfriedet von einer festen Mauer, bisweilen gar durch einen Wehrturm
geschützt.
Auf
solchen Gütern lebt zumeist eine ganze Sippe, Großeltern, Eltern, all ihre
Kinder mit ihren Familien, Tanten und Onkel mit ihrem Anhang dazu, selbstredend
auch Knechte und Mägde. Es braucht viele Hände, einen großen Hof zu bestellen
und auf wen könnte man besser vertrauen, als die eigene Familie?
Steinhäuser
sind den wohlhabenden Menschen in den Städten und größeren Weilern
vorbehalten, die die vielen Handwerker bezahlen können, die man zum Bau eines
solchen Hauses baut. Zwei- und dreistöckig flankieren sie die engen Gassen, und
der Magistrat sieht es gern, wenn solch festgefügte Heimstätten das Bild der
Stadt prägen, sind sie doch weit besser wider den Roten Hahn gefeit, eine allfällige
Gefahr in den eng gebauten Städten. Nichstdestotrotz sind auch in Greifenfurt
die meisten Häuser in der weit billigeren Fachwerkbauweise errichtet. Ja, wenn
der Rat wie in anderen Städten Steuerfreiheit als Prämie für den Steinbau
aussetzen würde, dann würde mancher es sich anders überlegen.
Die
Ärmsten, gleich ob in den Städten oder auf dem Land, müssen sich mit hölzernen
Katen und Buden begnügen. Die Ritzen in den Wänden notdürftig mit Lehm
abgedichtet, zieht es in den engen, dunklen Stuben dennoch erbärmlich, und
heizen kann man auch nicht recht, denn nur die wenigsten verfügen über einen
gescheiten Kamin. So wundert es nicht, wenn viele der Armen heftig mit dem
Husten zu kämpfen haben, doch was soll man schon tun wider all das Elend.
MS
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