|
Das
Stangen-Klettern:
Auszug
aus dem Buch: "Feste und Bräuche zu Zeiten Kaiser Retos"
Ein
weiterer sehr interessanter Brauch findet sich in den gen Firun gelegenen
Regionen, namentlich Weiden, Heldentrutz, Greifenfurt und vereinzelt wohl auch
im Kosch.
Am
ersten Tag des Ingerimmondes jeden Götterlaufes wird in vielen Weilern eben
jener oben genannten Regionen ein vielleicht zehn Schritt hoher, von Ästen und
Rinde befreiter Baumstamm aufgerichtet. Er wird zumeist in ein vorher
vorbereitetes Loch eingelassen und dann dort mit Erde festgetreten.
Steht
der Baum fest und sicher, beginnt ein ausgelassenes Fest, dessen Höhepunkt das
Stangen-Klettern darstellt. Der Baum hat nämlich eine in die Spitze
eingelassene Winde, über die man von unten über ein Seil einen Kranz den Stamm
auf- und abbewegen kann.
Die
jungen Frauen, die noch keinen Traviabund eingegangen sind, befestigen nun ein
Band an diesem Kranz und lassen ihn sodann nach oben gleiten, wobei sie seine Höhe
über das Seil selbst bestimmen können. Die jungen Burschen versuchen nun, den
glatten Stamm zu erklettern und das Band zu erhaschen, wobei die Maid dies je
nach Lust mehr oder weniger schwierig gestalten kann, indem sie den Kranz
entsprechend weit hinaufzieht. Wem es gelingt, das Band zu pflücken, dem wird
das Mädchen für den Rest dieses Tages seine Gunst schenken, so sagt man.
Es
ist durchaus nicht so einfach, diese Bänder zu erringen, da bisweilen der
oberste Teil des Stammes eingefettet wird und auch ein Mädchen, das einem
durchaus wohlgesonnen ist, wird sich sicherlich nicht gleich
"erhaschen" lassen.
Regeln
zum Stangen-Klettern:
Beim
Stangen-Klettern kommt es, wie zu erwarten ist , auf den Klettern-Wert an. Der
Meister entscheidet dabei, wie weit der Kranz hochgezogen wird, wobei dies auch
schrittweise auf insgesamt fünf Höhenstufen passieren kann. Für jede Höhenstufe
muß eine Klettern-Probe gelingen. Bei Mißlingen rutscht man wieder ein Stück
hinunter und kann es erneut Versuchen, allerdings mit einem Zuschlag von jeweils
2. Das letzte Teilstück ist eingefettet und daher besonders schwer zu
erklettern, wird von den Mädels aber zumeist auch nur in "Notfällen"
verwendet. Hier muß zusätzlich zu allen bisher erhaltenen Zuschlägen eine um
5 erschwerte Klettern-Probe gelingen.
Erreicht
ein Kletterer den Kranz und das Mädchen möchte ihn aber nun noch weiter nach
oben ziehen, so steht demjenigen ein Versuch zu, nach dem Band zu greifen, den
er aber nicht wahrnehmen muß. Hierfür ist eine gelungene Gewandheits- und eine
gelungene Körperkraftprobe notwendig. Mißlingt die Körperkraft-Probe, kann
sich der Kletterer nicht mehr halten und stürzt ab. Wenn der Kranz nicht mehr
bewegt wird, sind keine Proben zum Ergreifen des Bandes notwendig.
BS
|